Ortsgeschichte1
blockHeaderEditIcon

Ortsgeschichte

Der Name des Ortes ist von dem durch den Ort fließenden Gewässer abgeleitet. Der Bachlauf wird schon im Jahr 801 in einer Schenkung des Walto an das Kloster Fulda aufgeführt. Rhina als Ort wird erstmals im Jahr 1003 erwähnt.

 

Mit einer Urkunde verleiht König Heinrich II. das Jagdrecht (Wildbann) für ein genau umschriebenes Gebiet, den Ehringswald, (Eherinevirst) an das Kloster Hersfeld. In der Grenzbeschreibung dieses Jagdgebietes werden die Orte Rhina (Rinaha) und u.a. auch Odensachsen und Mengshausen erwähnt.

 

In der urkundlichen Ersterwähnung wird der Ortsname Rinaha geschrieben. Im Jahr 1415 ist die Schreibweise Ryna . 1501 werden ein Obern Ryne und ein Unter Ryne erwähnt. Oberrheina erscheint im Jahr 1583 in den Annalen. 1835 findet man die Schreibweise Rheina in den Kirchenbüchern. In einer Landkarte aus dem Jahr 1547 ist der Name Rhen dokumentiert. (Zum vergrößern der Karte auf das Bild klicken)

Geschichte2
blockHeaderEditIcon

Verwaltung

Bis etwa 1050 gehörte Rhina in den Bereich des Klosters Fulda. Auf Grund seiner Grenzlage zwischen Hersfeld und Fulda gab es auch Zeiträume, in denen der Ort zu unterschiedlichen Herrschaftsbereichen zählte. So unterstand zeitweise das Unterdorf mit der Haunmühle den Herren von Trümbach (Trubenbach) und das Oberdorf mit der Rhinmühle wurde von Hessen verwaltet.

 

1735 gehörte Rhina zum Amt Hauneck. Zur Zeit Napoleons (1807-1812) zählte der Ort zum Kanton Holzheim, Distrikt Hersfeld, Departement Werra. Seit der Entstehung der Landkreise im Jahr 1821 war Rhina eine selbständige Gemeinde des Kreises Hünfeld.

 

Im Zuge der Gebietsreform im Jahr 1971 wurde Rhina in die neu gebildete Gemeinde Haunetal eingegliedert. Haunetal wurde 1972 dem Kreis Hersfeld zugeordnet.

Geschichte3
blockHeaderEditIcon

Kirchengeschichte

Bis zum Jahre 1570 befand sich die Pfarrei in Rhina. Wehrda war Filialkirche. Der Pfarrer wohnte bis dato auch in Rhina. Dem Haunecker Salbuch (Steuerkataster) von 1579 kann man entnehmen, dass die Herren von Trümbach auf Grund ihres Patronatsrechtes 1570 die Pfarrei nach Wehrda verlegten. Seit dieser Zeit ist Rhina Filialkirche. Die Kirche in Rhina wurde 1814 erbaut und 1830 erstmalig renoviert. Eine weitere Renovierung ist im Jahre 1949 dokumentiert. Während des 2. Weltkriegs wurden zwei der drei Glocken demontiert und eingeschmolzen. Erst im Jahr 1951 wurde das Geläut wieder vervollständigt. Bis Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts stand gegenüber dem Kircheneingang ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen der christlichen Gemeinde Rhina im 1. Weltkrieg. Das Denkmal wurde wegen dem durchgängigen Bau der heutigen Kirchstraße abgebaut und nicht wieder errichtet.

GalleryOrtsgeschichte
blockHeaderEditIcon
Geschichte4
blockHeaderEditIcon

Jüdische Vergangenheit

1631 wird ein jüdischer Bewohner in Rhina schriftlich erwähnt. Die erste Synagoge wurde im Jahr 1782 eingeweiht. Ein Grundstück zur Einrichtung eines jüdischen Friedhofs erwarb die Gemeinde im Jahre 1837. Die erste Beerdigung fand dort 1838 die letzte im Dezember 1938 statt. Die Synagoge wurde 1855 umgebaut, ein Schulgebäude wurde angebaut. 1860 erfolgte die Wiedereinweihung. Von 1860 bis 1905 war Rhina der einzige Ort in Preußen mit überwiegend jüdischer Bevölkerung. Im Jahr 1900 zählte man 298 jüdische und 276 christliche Einwohner. Am Morgen nach der Reichspogromnacht, am 10.11.1938, wurde die Synagoge und das Schulhaus durch Brandstiftung zerstört. Bis Ende Februar 1939 mussten die letzten Rhinaer Juden den Ort verlassen. Damit endete die 300-jährige Geschichte der Juden in Rhina. 1988 wurde auf dem jüdischen Friedhof ein Gedenkstein zur Erinnerung an die vertriebenen und ermordeten Rhinaer Juden errichtet. Im Jahre 2002 wurde am Dorfgemeinschaftshaus, dem ehemaligen Standort der Synagoge, eine Hinweistafel angebracht.

Chronik Header 1940
blockHeaderEditIcon
Rhina-Chronik
blockHeaderEditIcon

Das Jahr 1945

Die amerikanischen Streitkräfte ziehen am 30. März (Karfreitag) in Rhina ein. Sie nehmen Quartier im Schulgebäude in der Wehrdaer Straße und im Haus von Schreiner Georg Schul in der Schloßstraße.
 

Brigitte Webert erzählt, dass die beiden Mädchen Anna und Maria, die als Fremdarbeiterinnen aus der Ukraine in Rhina bei Bauern arbeiteten, aus ihren leidvollen Erfahrungen mit dem Krieg in ihrer Heimat wussten, was bei einem Einmarsch zu tun sei. Als die Amerikaner näher kamen, hängten die Mädchen weiße Bettlagen aus den Fenstern. Im Bauernhaus von Webert hatten sich die Amerikaner beim Einmarsch für eine Nacht einquartiert. Sie hätten sich Lebensmittel aus der Wurstkammer geholt. Zur Mahlzeit hätten sie das gute Geschirr aus den Schränken genommen. Auch vom bereits vorbereiteten Osterkuchen hätten sie sich einige Stücke genommen. Als Abschiedsgeschenk hätten sie ein Stück Schokolade im Nachttisch hinterlassen. Die später länger in Rhina stationierten US-Soldaten hätten sich besonders für die Fahrräder im Dorf interessiert. Manche hätten nicht Rad fahren können und fleißig geübt.

 

Ukrainische Fremdarbeiterin Maria

 

Am 8. Mai endet der 2. Weltkrieg in Europa.

 

Am 1. August wird Karl Fischer von der Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt.

 

Karl Fischer schreibt in seinen Aufzeichnungen:
Amerikanische Soldaten hatten das Schulhaus sowie das Haus des Georg Schul belegt. Es war eine Sperrstunde festgesetzt und nach einer bestimmten Uhrzeit durfte sich niemand mehr außer Hause aufhalten. Am 1. August 1945 wurde ich von der Militärregierung in Hünfeld als Bürgermeister eıngesetzt. Alle Personen die in der N.S.D.A.P ein Amt begleitet hatten, wurden ihres Amtes enthoben.

Meine ersten Amtshandlungen waren jeden Abend die Unterbringung der Rückwanderer. Es mußte ein Quartierschein ausgeschrieben und ein Berechtigungsschein für Lebensmittel für einen Tag ausgestellt werden. Ich habe für die Einteilungen eine laufende Liste geführt.

Die Einwohnerliste war nach Angaben von Bürgermeister Rohrbach kurz vor Kriegsende von der Kreisleitung abgeholt worden, so daß keinerlei Unterlagen vorhanden waren. In mühsamer Arbeit habe ich ein neues Einwohner-Melderegister aufgestellt.

 

Am 1. Oktober wird die Volksschule in der Wehrdaer Straße  wieder eröffnet.

 

Für den 1945 vom Dienst suspendierten Lehrer Otto Schröder wurde Frau Brigitte Webert eingestellt, die Frau des Pfarrers Adam Webert.

 

Auch Lehrer Otto Schröder wurde vom Dienst suspendiert. Die Chronik der (evangelischen) Schule berichtet unter dem 2. November 1947, dass Schröder zu diesem Zeitpunkt noch auf seine Entnazifizierung vor der Spruchkammer in Hünfeld wartete. Tatsächlich war die Chronik der (evangelischen) Schule, die mit einer kurzen Unterbrechung während des Zweiten Weltkrieges von 1911 bis zum Ende des Dritten Reiches von Lehrer Otto Schröder geführt worden war, der NSDAP-Mitglied gewesen war, von der Staatsanwaltschaft eingezogen worden, weil der Verdacht der Urkundenfälschung aufgekommen war. Die Eintragungen Schröders über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung sind sehr zurückhaltend formuliert. Außerdem sind in der Chronik einige Flugblätter abgeheftet worden, in denen das NS-Regime angegriffen wird. Der Besitz dieser Flugblätter wurde während des Krieges streng bestraft. Es drängt sich tatsächlich der Verdacht auf, dass die Chronik in der Phase des Zusammenbruchs von Schröder manipuliert wurde, denn warum hätte sich der Lehrer als NSDAP-Mitglied im Dritten Reich dieser Gefahr aussetzen sollen? Jedenfalls reichte der Kasseler Oberstaatsanwalt die Schulchronik am 5. Mai 1949 mit folgenden Ausführungen an den Hünfelder Kreisschulrat zurück: „In der Anlage sende ich die Chronik der Ev. Schule in Rhina. Die Chronik war im Rahmen eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens von mir beschlagnahmt worden, weil der Verdacht der Urkundenfälschung durch den früheren Lehrer Otto Schröder aus Rhina aufgetaucht war. Das Verfahren gegen Otto Schröder habe ich inzwischen mangels Beweises eingestellt.

 

Schüler 1946 mit Lehrerin Brigitte Webert

Das Jahr 1946

Am 9. März findet die erste Mitgliederversammlung des MGV Rhina nach dem Krieg statt. Die regelmäßigen Gesangstunden werden wieder aufgenommen.

 

Wiederbeginn der Vereinstätigkeit im März 1946

 

Nach der Ruhe der Kriegs-und Nachkriegsjahre 1940/41/42/43/44 und 45 wird der folgende Jahresbericht 1946 unter der lfd. Nr. 16 weitergeführt.

 

16. Jahresbericht (Vereinsjahr 1946)

 

Mitgliederzahl:  aktiv: 30 / passiv: 7 / Ehrenmitglieder: 0 / Bestand: 37

 

Die stets rege Tätigkeit des Vereins, die schon seit seiner Gründung im Jahre 1924 einsetzte und die den Verein zu beachtlichen Höhen seiner Leistung wachsen ließ, wurde durch den Kriegsausbruch am 1. September 1939 jäh unterbrochen. Der größte Teil der Sangesbrüder wurde zur Wehrmacht einberufen. Übungsstunden konnten nicht mehr stattfinden.

Nachdem der Krieg beendet war und seine Wunden und Schmerzen sich in den Rhythmus des täglichen Lebens eingefügt hatten, begann es sich wieder in den Herzen unserer Sänger zu regen. Die Sehnsucht zum Lied, zu seiner bejahenden Wirkung und Schönheit, wuchs über die Sorgen des Alltags hinaus und drängte zur Entfaltung. Die Macht des Liedes mußte wieder lebendig, mußte wieder jene herrliche Quelle werden, die uns so oft in Freud und Leid soviel  Kraft, Mut und Wille zur Tat geschenkt hat. - Vieles ist verloren, das herrliche deutsche Lied – die Heimat in ihm – ist uns geblieben. Sein Reichtum, seine unerschöpfliche und wohltuende Wirkung auf unsere Seele und Gemüt, soll uns nun wieder im harten Alltag des Lebens begleiten.

Am 9. März 1946 konnte nach schweren Kriegsjahren die erste Versammlung stattfinden.  Wieder zu singen war der einmütige Wille aller Anwesenden. Der Vors. Adam Manns, der die Geschicke des Vereins in jahrzehntelanger, hingebungsvoller  Arbeit vorbildlich gelenkt hatte, bat darum, ihn infolge seines Gesundheitszustandes vom Amte zu entbinden. Seinem Antrag wurde mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden stattgegeben. Sangesbruder Ernst Maul, der auch mit besonders rühriger Tätigkeit die Wiederaufnahme der Gesangstätigkeit betrieben hatte,  wurde einstimmig zum Nachfolger gewählt. Der Verein war nun wieder lebensfähig. Die vorläufige Genehmigung seitens der Militärregierung war erteilt, die schwere Frage der Besetzung des Chormeisteramtes jedoch ungelöst. Die gute sangliche Begabung des neuen Vorsitzenden führte hier zu einem vorläufigen Ausweg, und  unter seiner Leitung gelang es mit  Unterstützung von Schriftführer Heinrich Lotz am Klavier die schlafenden Stimmen zu wecken und zu neuem Wirken anzuspornen. Die Sänger folgten willig und mit Lust und Liebe wurde wieder gesungen. Ja, es gelang sogar das erste neu eingeübte „Schifferlied“ bald in der Öffentlichkeit vorzutragen. Der Anfang war gemacht.

Die Grundlage eines jeden Gesangvereins, der fachliche, musikalisch geschulte Aufbau

harrte jedoch – mit zunehmender Freude am liebgewonnenen alten deutschen Männergesang – der baldigen Lösung. Diese kam jedoch schneller als wir dachten. Im Juli kehrte unser vertrauter Chormeister wieder zurück und konnte wieder die musikalische Leitung des Vereins übernehmen. Der Kreis war geschlossen. Der Wille zur Tat und der Glaube an die Macht der Lieder hatten gesiegt.

Bei seinem ersten Vereinsausflug am Himmelfahrtstag zum Stoppelsberg und zum Gasthof „Burg Hauneck“ konnte der Verein dortselbst die ersten Proben seines Könnens ablegen. - Der 6. Oktober fand den Verein schon mitten in seinen Pflichten: die erste Ehrung konnte erfolgen. Sangesbruder Andr. Eidam hatte Silberhochzeit. Ihm wurden „Eintracht und Liebe“ und das „Schifferlied“ als Ständchen gebracht. - Am Totensonntag wurde zum Gedenken unserer lieben, im Krieg gebliebenen Sangesbrüder  Valentin Ruppel, Johann Hofmann und Hans Hahn am Grabe von V. Ruppel eine Feierstunde abgehalten. In seiner Ansprache, die von den Liedern „Wie sie so sanft ruhn“ und“Über den Sternen“ umrahmt war,  ließ der Vorsitzende die Zeit  seit Beginn des Krieges an unserem geistigen Auge vorüberziehen und würdigte in herzlichen Worten die vorbildliche Treue der gefallenen Kameraden. Auch gedachte er in warmen Worten der lieben Sangesbrüder, über deren Schicksal noch Ungewissheit herrscht. Und mit dem Wunsche, dass alle noch in Gefangenheit weilenden Sangesbrüder bald nach Hause kehren möchten und mit der Bitte, sich die Treue unserer gefallenen Sangesbrüder zum Vorbild zu nehmen, schloss er seine Worte und als äußeres Zeichen der Verbundenheit mit unseren verbliebenen Kameraden legte er am Grabe einen Kranz nieder. - Mitte November begannen die Vorbereitungen zur Weihnachtsfeier. Am 6. Dezember brachte der Verein dem Sangesbruder Georg Jäger zur Goldenen Hochzeit ein Ständchen mit den Liedern „Eintracht und Liebe“ und „Heimkehr“. - Zum Vergnügungsabend des Fußballvereins am  21. Dezember, zu dem der Verein als Gast geladen war, wurden einige Lieder vorgetragen. - Inzwischen war bei fleißigem Üben unserer Theatergruppe und Bastelarbeiten an Weihnachtsgeschenken für unsere Kinder und anderen Vorbereitungen die Weihnachtsfeier herangerückt. Diese fand am 1. Feiertag im festlich ausgestatteten Vereinslokal statt. Mit der Begrüßung durch den Vorsitzenden und dem Weihnachtslied „Ringsum welch einsam Schweigen“ wurde die Feier eingeleitet. Zwei Einakter wurden aufgeführt und die Kinderbescherung durch den Nikolaus brachte viel Freude. Eine Kaffeepause und eine Verlosung brachten schöne Abwechslung.

Die Feier wurde noch mit den Liedern „Winternächtges Schweigen“ und „Abendglocken“ umrahmt. Am Heiligabend sang der Verein in der Kirche „Ringsum ...“ und „Winternächtges Schweigen“ .

Die in unsere Gegend geflüchteten Sudetendeutschen veranstalteten am 12. Januar 1947 im Saal der Gastwirtschaft Kimpel in Neukirchen einen Heimatabend. Der Verein war zur Mitwirkung eingeladen. Die wirkungsvoll vorgetragenen Lieder  „Heimkehr“, „Im Walde“ , „Liebesklage“ , „Rosemarie“ , „In einem kühlen Grunde“ und „Abendglocken“ , die sich harmonisch in die bunte Reihenfolge der Darbietungen einfügten, fanden lebhaften und dankbaren Beifall. Dieses erste Auftreten vor der großen Öffentlichkeit war ein voller Erfolg und wird dazu beitragen, die Liebe zum und die Freude am Gesang zu steigern – Am 16. Januar feierte Sangesbruder  Konrad Ränker sein  25. Arbeitsjubiläum. Seine Sangesbrüder brachten dem Jubilar „Liebesklage“  und „Es kam ein Knab...“ als Ständchen.

Das erste Jahr `Sängerarbeit`nach dem Kriege ist vorüber. Über all den traurigen Worten tönt dennoch wieder, beschwingt und freudezaubernd, das deutsche Lied. Wir sind dankbar, dass es uns geblieben. Mutig und unverzagt wollen wir vorwärts schreiten – unsere Lieder sollen uns Richtschnur und Leitstern sein und mit ihnen - „Sangesbrüder“ - vorwärts, durch Nacht zum Licht !

 

Rhina, den 18. Januar 1947

Der Schriftführer
Heinrich Lotz

bestätigt: Vorsitzender

 

Im März treffen die ersten Heimatvertriebenen in Neukirchen ein.

 

„Im März 1946 trafen die ersten Heimatvertriebenen ein. Die Einweisung erfolgte ohne Schwierigkeiten. Am 26. August 1946 erhielt ich die Nachricht, daß im Saal der Gastwirtschaft ‚Burggraben’ (in Neukirchen) 98 Heimatvertriebene aus Augezd, Kreis Sternberg, eingetroffen und unverzüglich in der Gemeinde Rhina unterzubringen seien. Ich begab mich sofort nach Neukirchen und nahm mir drei Männer der Betreffenden mit nach Rhina zur Besichtigung der vorhandenen Wohnungen, um die Zuteilung entsprechend der Größe der Familien vorzunehmen. Am anderen Morgen begaben wir uns mit Fuhrwerken nach Neukirchen, um die wenige Habe nach hier zu holen. Die Einteilung machte wegen der vorherigen Besichtigung (der freien Wohnungen) keine Schwierigkeiten. Die hiesigen Einwohner fanden sich bereit, die nötigsten Haushaltsgeräte zur Verfügung zu stellen. Der Forstbetrieb des Baron von Eichel stellte uns auf meine Fürsprache hin 48 Raummeter Brennholz zur Verfügung, welche er an die Straße im Mühlgrund brachte. Herr Oberförster Schupelius überließ uns auch unter Aufsicht des Gemeindedieners Heinrich Reidt im Eigenschlag Brennholz.“ Am 2. November 1946 verfügten die Gemeindeverordneten, den Flüchtlingen und Heimatvertriebenen das Gemeindeland „Auf der Warth“ zur Verfügung zu stellen. Dabei mussten auch Rhinaer zurückstecken. Nach der Entscheidung vom 23. März 1947 musste Fritz Kemmler das bis dahin bewirtschaftete Grundstück in dieser Flur den Heimatvertriebenen ebenfalls zur Verfügung stellen. Nach Beschluss vom 24. September 1947 wurde das bis dahin von Philipp Rohrbach bewirtschaftete Land „Am Höhlon“, welches vormals Sally Klebe gehörte, an die Neubürger vergeben.

 

An Himmelfahrt (30. Mai) macht der Gesangverein einen Ausflug zum Gasthof „Burg Hauneck“ nach Oberstoppel und singt nach dem Krieg zum ersten mal wieder öffentlich.

 

Im Wahljahr 1946 wurden die folgenden Personen zur Verwaltung der Gemeinde gewählt:

 

Bürgermeister: Karl Fischer

1. Beigeordneter: Otto Hergert
2. Beigeordneter: Heinrich Horst

Gemeindevertreter: Heinrich Maul, Adam Hofmann, Artur Swoboda, Georg Lübeck, Andreas Eidam, Friedrich Kemmler, Otto Kassner, Otto Baumgart, Otto Hergert

 

Am Samstag, 21. Dezember veranstaltet der Fußballverein im Saal Rohrbach einen Vergnügungsabend.

 

Der Gesangverein richtet am 1. Weihnachtsfeiertag im Saal Rohrbach eine Weihnachtsfeier mit Theateraufführung, Gesangsbeiträgen und selbst gebastelten Geschenken für die Kinder aus.

Das Jahr 1947

Der Sängerbund „Eintracht Haunetal“ wird in Rhina wieder gegründet.


Jahresbericht des Männergesangvereins

 

Am Sonntag, 21. Dezember veranstaltet der Fußballverein einen Theater- und vergnügungsabend.

 

Jahresbericht des Männergesangvereins

 

17. Jahresbericht  (Vereinsjahr 1947)

 

Das zweite Jahr reger Sängertätigkeit nach dem furchtbaren Kriege ist vorüber. Der alte Sängergeist ist wieder in die Herzen unserer Sänger eingekehrt. Mit Lust und Liebe wurde wieder geübt und Fortschritte erzielt. Die Übungsstunden wurden fast regelmäßig abgehalten. -  Am 16. März wurde zur Gedenkfeier des in Rußland gefallenen Sangesbruder Hans Webert in der Kirche die Lieder „Wie sie so sanft ruhn“ und „Wohin soll ich mich wenden“ gesungen. -  Am 1. Mai hatte der Verein die Ehre, bei der Maifeier im Saale der Gastwirtschaft Kimpel in Neukirchen mitzuwirken. Es wurden die so gut in den Rahmen passenden Chöre „Empor zum Licht“ und „Vielliebchen liebt den Mai“ mit guter Wirkung vorgetragen. -  Der Himmelfahrtstag führte den Verein wie üblich zum Stoppelsberg. Im Burghof wurden die Lieder „Horch, die alten Eichen...“ und „Es löscht das Meer...“ zum Vortrag gebracht.

Zur gegenseitigen Ergänzung unseres Strebens hatte im Mai unser Verein den Nachbars- verein Holzheim/Kruspis zu einem gemütlichen Sängernachmittag eingeladen. Die von unseren Sängern vorgetragenen Lieder wurden von den Gästen dankbar aufgenommen. -  Zum 80. Geburtstag am  ??  wurde Frau Barbara Maul ein Ständchen mit den Liedern „Am schönsten klingt...“ und „Die Abendglocken“ dargebracht. -  Der Gesangverein Holzheim/Kruspis veranstaltete am Sonnabend, den 15. Juni einen Liederabend zu dessen Mitwirkung unser Verein eingeladen war. In abwechselnder Reihenfolge wurden von beiden Vereinen schöne alte Volkslieder vorgetragen. In seiner Ansprache betonte Chormeister Schneider (Holzheim) den Sinn des Gesanges: Das Streben der Gesangvereine, schönes Liedgut zu hegen und zu pflegen und es zu einem unerschöpflichen Kraftquell zu erschließen. Dieser wohlgelungene schöne Liederabend war ein unvergessliches Erleben und mit herzlicher Dankbarkeit nahmen  wir von Kruspis Abschied nicht ohne zu geloben, einen gleichartigen Liederabend bald in Rhina zu veranstalten.  -  Am 25. Juni hatte der Verein zum ersten Mal die große Freude, einem aus Kriegsgefangenschaft Heimgekehrten und zwar unserem Sangesbruder Valentin Gippert ein Ständchen mit den Liedern „Heimkehr“, „Horch, die alten Eichen...“, „Rosemarie“ und „Am schönsten klingt...“ darzubringen.  -  Schon am 5. Juli konnten wir auch unser heimgekehrtes Mitglied Georg Becker mit den Liedern „Heimkehr“, „Die Abendglocken“ und „Rosemarie“ begrüßen.  -  Anfang September wurde der liebe alte Sängerbund „Eintracht Haunetal“ wieder ins Leben gerufen. Unser Verein übernahm die Führung und lud die früheren z. Zt. schon wieder tätigen  Vereine zur Gründungsversammlung am 14. Sept. nach Rhina ein. Nachdem die Gäste mit „Horch, die alten Eichen...“ und „Es löscht das Meer...“ begrüßt waren, hieß der Vorsitzende unseres Vereins alle Erschienenen herzlich willkommen und erläuterte dann den Sinn und Zweck dieser Versammlung. Der Bund wurde gegründet und unser Vorsitzender E. Maul zum 1. Vorsitzenden des Bundes gewählt. (Näheres über die Gründungsversammlung ist in den Bundesakten niedergelegt.).   -  An einer Delegiertenversammlung des Bundes am 5. Oktober in Sieglos nahmen als Vertreter unseres Vereins Ernst Maul und Heinrich Lotz teil.  -  In der Vierteljahresversammlung am 11. Okt. wurde die Abhaltung einer Weihnachtsfeier beschlossen.  -  Zum Gedenken an unsere Toten veranstaltete der Verein wiederum am Totensonntag am Friedhof eine kleine Feier. Nach dem Gesang des Liedes „Wie sie so sanft ruhn“ gedachte der Vorsitzende unserer toten Sangesbrüder und aller lieben Entschlafenen. Die Feier endete mit dem Lied „Ruhig ist des Todes Schlummer“.  -  Am 21. Dezember war der Verein wieder wie im Vorjahr zum Theater- und Vergnügungsabend des Fußballklubs eingeladen und wirkte durch Vortrag der Lieder „Im schönsten Wiesengrunde“ und „Freund, ich weiß ein kleines Land...“ unter Führung  von Ernst Maul in harmonischer Weise an der Ausgestaltung des Abends mit. Die Zugabe des Liedes „Es löscht das Meer...“ erntete reichen Beifall.  -  Die Weihnachtsfeier fand wie üblich am 1. Feiertag statt. Nach den Begrüßungsworten durch den Vorsitzenden folgte „Ringsum welch...“.  Der Nikolaus bescherte die Kleinen wieder reichlich.  -  Zwei kleine Theaterstücke, eine Verlosung und eine amerik. Versteigerung füllten den weiteren Abend aus. Der letzte Tag des Jahres fand den Verein zu einem geschlossenen Sylvesterball, der schön und harmonisch verlief.

 

Ein Sängerjahr ist wiederum in den Schoß der Ewigkeit unwiederbringlich versunken.Seine bescheidenen Früchte aber sind uns geblieben. Dankbar nehmen wir sie hin und mit dankbarem Rückblick verlassen wir das alte – mit neuer Hoffnung, zielbewußtem und klaren Willen betreten wir das neue Vereinsjahr. Möge das neue Jahr freudige Sänger finden, die trotz aller Not, aller Sorgen und Mühen in  unserem herrlichen deutschen Liede etwas erschließen und finden, das auch das Schwerste überwinden hilft.

 

Deutscher Sänger ! – Deine Arbeit , deine Lieder sind uns Brot – sind uns unentbehrliche Nahrung für unsere kranke Volksseele. Deine Arbeit ist groß und herrlich. Nutze die Zeit und tue deine Pflicht.

 

 

 

Rhina, den 10. Jan. 1948
Der Schriftführer
Heinrich Lotz

 

bestätigt: Der Vorsitzende
Ernst Maul

Das Jahr 1948

Im Wahljahr 1948 wurden die folgenden Personen zur Verwaltung der Gemeinde gewählt:

 

Bürgermeister: Karl Fischer

1. Beigeordneter: Otto Hergert
2. Beigeordneter: Heinrich Maul

Gemeindevertreter: Adam Hofmann, Artur Swoboda, Georg Lübeck, Andreas Eidam, Friedrich Kemmler, Otto Kassner, Otto Baumgart

 

Am 11. März 1948 versammelten sich die Vertreter der Gemeinde, um eine  Wohnungskommission zu bilden. In diese wurden Heinrich Horst, Heinrich Krug, Adam Hofmann, Otto Kassner, Heinrich Maul, Josefine Strake(a) und Arthur Swoboda gewählt. Die Kommission sollte die Verteilung des knappen Wohnraumes vornehmen.


Ihr stand das Recht zu, in Privateigentum einzugreifen, indem sie Häuser besichtigen und festlegen konnte, welche Räume an die Heimatvertriebenen vergeben werden mussten. Aus der Zeit vom 8. April 1948 bis zum 12. April 1949 sind Auszüge aus den Sitzungsprotokollen erhalten. Vorsitzender der Kommission war im Jahr 1948 Heinrich Horst, Schriftführer war Arthur Swoboda. So wurden am 8. April 1948 z. B. folgende Tagesordnungspunkte verhandelt: „1. Otto Kassner soll die Wohnung von dem nach Hersfeld übersiedelten H. Schmidt bekommen im Haus des H. Bube. 2. Willi Beier soll noch ein Zimmer zu seinem einen Raum zubekommen. Die dort wohnende Frau Hölz soll ein Raum abtreten und soll mit einem Raum vorliebnehmen. 3. Jaschek (vier Personen) soll von H. Becker noch einen Raum zubekommen. 4. Lux (vier Personen): Durch seine Anwesenheit muß er noch einen Raum von Gutberlet zubekommen. 5. Ingrisch (2 Personen) beantragt eine Wohnung.“ Nicht immer wurden die Beschlüsse freiwillig umgesetzt. So heißt es am 11. April 1948, dass Gutberlet sich noch nicht zur Aufnahme der zugewiesenen Familie geäußert habe. Die Wohnungskommission schrieb dementsprechend ins Protokoll: „Im schlimmsten Fall muß die Beschlagnahme ausgesprochen werden.“ Tatsächlich entschied die Wohnungskommission am 24. April 1948, Gutberlet die Beschlagnahmeverfügung gegen eine Empfangsbescheinigung zuzustellen.

 

Der am 1. Mai 1948 eingestellte Lehrer Karl Dippel übernahm in Rhina den Organistendienst.

 

Am 20. Juli 1948 wurde die Währungsreform durchgeführt. Altbürgermeister Fischer schildert den Ablauf in Rhina.

 

Ich hatte mir als Helfer Hans Fischer, Ernst Meuer und Karl Best hinzugenommen. Im Saal Rohrbach mußten die Bürger ihre 60 RM abliefern und bekamen dafür 60 DM. Mit Einführung der neuen Währung traten geordnetere Verhältnisse im Verkehr mit Lebensmitteln und sonstigen Gegenständen ein. In den vergangenen Jahren standen der Schwarzhandel und das Schiebertum in Blüte. Die Lebensmittelkarten wurden noch etwa ein Jahr (lang) bis zur richtigen Normalisierung ausgehändigt.“

 

Der MGV Rhina gibt sich den Namenszusatz „Heimatlied“.

 


Jahresbericht des Männergesangvereins


Jahresbericht (Vereinsjahr 1948)

 

Mitgliederstand:

Am Jahresanfang aktiv: 33 / Zugang: 9 / Abgang: 2 / heutiger Stand: 40

Am Jahresanfang passiv: 5 / Zugang: 0 / Abgang: 0 / heutiger Stand: 5

Am Jahresanfang Ehrenmitglieder: 4 / Zugang: 0 / Abgang: 0 / heutiger Stand: 4

Bestand am Jahresanfang: 42 / Bestand heute: 49 

 

Das vergangene Sängerjahr ist weit über die Tätigkeit des vorhergegangenen hinausgeschritten. Große und schöne Leistungen wurden vollbracht, obwohl der Verein durch das lfd. Spruchkammerverfahren gegen seinen Chormeister zeitweise ohne musikalische Leitung gewesen ist. In dankenswerter Weise hatte Herr Chormeister Schneider (Holzheim) vom 14. Februar bis zum 29. April die Chorarbeit übernommen..  -  Der alte Sängergeist ist wieder ganz aufgelebt und hat besonders auch von den Herzen unserer jungen Sänger Besitz ergriffen. Bei fast allen dieser jungen Sänger ist eine vorbildliche Mitarbeit und Treue zu erkennen.

Am 16. Januar konnte der Verein Herrn Kaspar Maul zum 80. Geburtstag ein Ständchen bringen. Es wurden ihm „Nur in das Herz...“ und „Im schönsten Wiesengrunde“ als Ständchen dargebracht. Ein Ständchen zur Silberhochzeit bekam unser Sangesbruder Konrad Ränker am 20. Febr. mit „Hör uns...“ und „Eintracht und Liebe“.  Sangesbruder Karl Webert, der am 29. Febr. zum ersten Mal nach langer Gefangenschaft auf Urlaub aus Frankreich heimkehrte, wurde mit den Liedern „Heimkehr“  und  „Im schönsten Wiesengrunde“ begrüßt.  -  Zum Volkstrauertag sang der Verein in der Kirche „Hör uns“  und  „Wie sie so sanft ruhn“.  -  Zur Beerdigung der Gattin unseres Ehrenmitgliedes Adam Mohr am 16. März sang der Verein vor dem Hause „Ruhig ist des Todes Schlummer“ und am Grabe „Wie sie so sanft ruhn“.  -  Sangesbruder Hans Webert feierte am 17. April Hochzeit in Neukirchen. Unser Ständchen bestand aus den Liedern „Hör uns“ und „Ein getreues Herze...“.  -  Der 1. Mai führte uns nach Kruspis, um dort unserem Sangesbruder Heini Hergert zur Hochzeit ein Ständchen mit den Liedern „Hör uns“ und „Ein getreues Herze...“  zu bringen.  -  Am 7. Mai wurde Sangesbruder Beier einstimmig als erster Flüchtling in unseren Verein aufgenommen. Der Vorsitzende hob dieses Ereignis besonders hervor und sprach den Wunsch aus, daß bald mehrere folgen möchten. Zu einer Tanzbelustigung hatte der Verein am 8. Mai eingeladen.

Im Mai kehrte Sangesbruder Georg Schul aus französischer Gefangenschaft nach Hause. Als Begrüßung sang der Verein  „Heimkehr“, „Horch die alten Eichen...“, Rosemarie“ und das „Schif.ferlied“.  Pfingstmontag brachte der Verein Sangesbruder Karl Best ein Ständchen mit den Liedern „Eintracht und Liebe“ und „Vielliebchen liebt den Mai“.

Der 30. Mai fand den Verein im Kreise der Bundesvereine des Sängerbundes „Eintacht Haunetal“ im Saale Kimpel in Neukirchen zum 1. großen Treffen des Bundes. In edlem Wettstreit zeigten die Vereine ihr Können. Schöne und beachtliche Leistungen wurden vollbracht. Auch unser Verein hatte mit seinen Liedern „Am Waldrand...“, „Süß Liebe liebt...“ und am Morgen mit „Das Schifferlied“ und „Heut hab ich die Wacht...“ guten Erfolg. Als Massenchor  wurde „Es ritt ein Jäger...“ vorgetragen.  -  Ein besonderer Tag war die Hochzeit von Sangesbruder Karl Rohrbach am 11. Juni: galt es doch hier nicht nur ihn allein zu ehren, sondern auch unser Können in einer größeren Nachbargemeinde unter Beweis zu stellen. Es wurden zur Trauung in der Kirche in Rothenkirchen  „Heilig, heilig“ und „Hör uns“ gesungen. Sangesbruder Kurt Kollmann hatte in liebenswürdiger Weise den Transport übernommen. Sangesbruder Karl Rohrbach hat es sich nicht nehmen lassen, den Verein in seiner neuen Heimat festlich zu bewirten. Bei Kaffee und Kuchen und anderen schönen Sachen feierten wir dortan seinen Ehrentag nach alter Sängerart.  -  Inzwischen war der große Tag des 2. Sängertreffens im Bunde für das Jahr 1948 gekommen. Es regnete in Strömen und es war fast unmöglich abzufahren. Den Transport hatte wieder Kurt Kollmann übernommen. Doch deutsche Sänger kennen kein Zurück, wenn es gilt, dem Liede zu dienen! Vorwärts durch alle Hindernisse, die Pflicht steht höher. In Oberhaun angekommen hatte der Regen noch nicht viel nachgelassen und das Singen auf der im Freien aufgebauten Bühne wurde dadurch stark  beeinträchtigt. Von unserem Verein wurde „Frühling am Rhein“ und „Liebesklage“ vorgetragen. An diesem Tage hatte auch unser Sangesbruder Georg Schul Hochzeit. Nach Rückkehr aus Oberhaun wurde ihm am Abend ein Ständchen in Form der Lieder „Hör uns“, „Ein getreues Herze...“ und „Im schönsten Wiesengrunde“ dargebracht.  -  Dem Schreinermeister Heinrich Schul, der selbst in seiner Jugend ein eifriger Sänger gewesen ist, brachte der Verein zu seinem 84. Geburtstag ein Ständchen mit den Liedern  „Heilig, heilig“ und „Am schönsten klingt...“ .             Einen Beweis, daß unser Verein, wenn er sich voll und ganz einsetzt, singen und auch etwas leisten kann, erbrachte die Teilnahme an dem vom Gesangverein „Harmonie“ Steinbach  am 26. September anläßlich eines Dirigenten-Jubiläums veranstalteten öffentlichen Singen. Eine Reihe größerer und guter Gesangvereine legten Proben großen Könnens ab. Mit Stolz konnte auch unser Verein feststellen, daß er mit seinen beiden Liedern „Es löscht das Meer...“ und „Rosemarie“ einen schönen Erfolg erzielte und sich würdig in die Reihen der anderen Vereine einreihen durfte.  - 

Am 9. Oktober fand eine besondere Vierteljahresversammlung statt.  In ihr wurde über die Feier der `Namensweihe´, der Weihnachtsfeier und eines im Februar 49 stattfindenden Theaterabends Beschluß gefaßt. Die mit Schwung und Energie aufgenommenen Vorarbeiten zur `Namensweihe`, die für den 14. Nov. geplant war, machten trotz aller Schwierigkeiten, die diese Zeit in sich barg, gute Fortschritte. Hier bewahrheitete sich wieder einmal das Sprichwort: Wo ein WiIle ist, da ist auch ein Weg“. Die `Namensweihe`am 14. November wurde zum Höhe – und Glanzpunkt des Sängerjahres 1948. Fünf Vereine hatten unserer Einladung, die durch unseren Sangesfreund Karl Best künstlerisch ausgearbeitet war, Folge geleistet. Die Feier begann um 14 Uhr und wurde vom Verein mit dem deutschen Sängergruß eröffnet. Hierauf begrüßte der Vorsitzende die Gäste mit einem herzlichen Willkommensgruß an den sich die Volksweise „Im schönsten Wiesengrunde“ anschloß, die die `Namensweihe`einleitete.  Sangesbruder Heinrich Lotz sprach Worte zur Weihe. Seine Ausführungen standen unter dem Leitwort: „Teure Heimat, wonniges Land, immer sei mein Herz nur dir zugewandt...“ (Der Text der Weiherede ist an anderer Stelle festgehalten.) Nach diesen Worten der Weihe betraten der Vorsitzende und die Sangesbrüder Ernst Meurer, Heini Webert und Karl Best mit der von Heinrich Lotz entworfenen Namensurkunde die Bühne und mit den Worten der Urkunde, die abwechselnd von den 3 genannten Sangesbrüdern feierlich in den Saal klangen, wurde dem Verein der vom Vorsitzenden Ernst Maul vorgeschlagene Name „Heimatlied“ gegeben.  Hierauf nahm Sangesbruder Heinrich Lotz die Urkunde entgegen und überreichte sie dem Vorsitzenden mit der Bitte, sie immer dem Verein als flammendes Fanal voranzutragen, damit der Verein stets eingedenk sei der hohen und schönen Aufgaben und Verpflichtung, die er der Heimat schuldig ist. Der Vorsitzende nahm die Urkunde mit Dank an und versprach, den Verein für die Zukunft so zu führen und zu leiten, daß der Verein seiner Dankesschuld an die Heimat jederzeit gerecht wird. Hierauf sang der Verein als Abschluß der `Namensweihe`das von Sangesbruder Karl Fischer in liebenswürdiger Weise gestiftete schöne Heimatlied „Laß mich zurück in meiner Heimat Berge...“.  Nach dem Singen der Gastvereine spielte die Kapelle Werner flotte Tanzweisen. In schönster Harmonie nahm ein denkwürdiger Tag und ein bedeutender Markstein in der Geschichte unseres Vereins sein Ende. Es sei hier erwähnt, dass sich um die Gestaltung und  Ausstattung  des Podiums, das für die `Namensweihe`besonders hergerichtet war, einige Sangesbrüder – besonders  der Vorsitzende und dessen Vater Kaspar Maul – verdient gemacht haben.

 

Zur Heimkehr von Sangesbruder Adam Gippert sang der Verein „Heimkehr“ und „Rose- marie“ . Am Totensonntag fand die übliche Gedenkfeier am Friedhof statt.  -  Die Weihnachtsfeier mußte in diesem Jahre zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins infolge mangels passender Theaterstücke ausfallen. - Am Heiligabend sang der Verein in der Kirche „ ? ? „ und „O du fröhliche“.  -  Als Gegenbesuch gegenüber unserer Namensweihe war der Verein am 2. Weihnachtsfeiertag zu einer Sängerveranstaltung in Neukirchen verpflichtet. Leider fanden unsere Sänger dortan nicht  die dem Ideal der Sänger vorhandenen Verhältnisse vor. Unter viel Mühe wurden, behindert durch Rauch und sonstige Störungen, die beiden Lieder „Trittst im Morgenrot daher“ und „Rüdesheimer Wein“  vorgetragen.  -  Am Jahresschluß veranstaltete der Verein seinen traditionellen Sylvesterball. In froher Stimmung war das Jahr 1948 beendet und das neue Jahr 1949 begonnen.

Eine Fülle von Sängerarbeit hat der Verein im abgelaufenen Jahr bewältigt. Er erledigte sich seiner Aufgaben, mit geringen Ausnahmen, in schönster Weise. Der umfangreiche Tätigkeitsbericht für das Sängerjahr 1948 beweist in hohem Maße , welche hervorragende und wertvolle Arbeit ein Gesangverein in kultureller Hinsicht leistet und wie notwendig und unentbehrlich intensive und echte Sängertätigkeit für die Allgemeinheit ist. Wie wir im vergangenen Jahr so überaus reichlich den Segen unseres herrlichen deutschen Liedes erleben durften, so wollen wir im nun vor uns liegenden Vereinsjahr alles daransetzen, immer tiefer in das Leben unserer Volkslieder einzudringen und immer mehr Schönes und Erhabenes für uns und unser Volk im Liede formen und gestalten. Mit dem feierlichen Gelöbnis auch in schwerer Zeit unserem über alles geliebten deutschen Lied in selbstloser Hingabe und unvergänglicher Treue zu dienen, schreiten wir nun ins neue Vereinsjahr 1949.

 

Rhina, den 29. Januar  1949
Der Schriftführer
Heinrich Lotz

 

bestätigt: Der Vorsitzende
Ernst Maul

Das Jahr 1949

Über den ehemaligen Besitz der jüdischen Mitbürger kam es etwa seit 1949 zu einer Welle von rechtlichen Auseinandersetzungen. Über diese Verfahren berichtet Altbürgermeister Fischer.

 

Die Gemeindeverwaltung von Rhina hatte 1938 noch im jüdischen Besitz befindliche Häuser und Grundstücke käuflich erworben und weiter veräußert. Ein von der Vermögensverwaltung an die Gemeinde Rhina gestellter Anspruch auf Rückerstattung und ein Vergleich wurden von der Gemeindeverwaltung im Beisein von Oberamtsrat Hamich vom Landratsamt Hünfeld nach eingehender Beratung abgelehnt. Der Bürgermeister wurde ermächtigt, zur Einholung der erforderlichen Rechtsauskünfte einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Die Angelegenheit wurde von der Kammer des Landgerichtes Kassel weitergeleitet. Auf Anfrage des Landgerichtes Kassel habe ich folgende Stellungnahme abgegeben: In der Gemeinde Rhina waren die Wohnhäuser 1933 zu nahezu 50% in jüdischem Besitz. Im Zuge der ‚Arisierung’ 1938 sind von überall her Leute gekommen, die unter Druck auf billige Weise in den Besitz von Grundstücken gelangen wollten. Um die Angelegenheit in geordneter Weise zu erledigen, hat Bürgermeister Rohrbach eine Eingabe an den Landrat und die Kreisleitung gemacht. Daraufhin wurde er mit der treuhänderischen Verwaltung des jüdischen Vermögens beauftragt. Es wurden Kaufverträge zwischen den Juden und der Gemeinde Rhina durch den Rechtsanwalt Schramm abgeschlossen. Auf Anordnung von Kreisleitung und Landrat durfte nur der Einheitswert an die Juden bezahlt werden. Der Preis war dem Bürgermeister auch zu gering, deshalb hat er die Weiterveräußerung zum Geschäftswert vorgenommen und das übrige Geld auf ein besonderes Konto gestellt, um eventuelle spätere Forderungen zu begleichen. Bei der Verhandlung in Kassel erhielt die Gemeinde Rhina einen Freispruch. Es wurde das loyale Verhalten der Gemeinde Rhina hervorgehoben, die sich in keiner Weise bereichert habe. Die heutigen Besitzer, die ihr Eigentum mit gutem Geld bezahlt hatten, mußten die Grundstücke noch einmal bezahlen. Hierdurch war innerhalb der Gemeinde Rhina eine gewisse Staatsverdrossenheit eingetreten, die sich durch Wahlenthaltungen bei Bundes- und Landtagswahlen bemerkbar machte. Am Amt für Vermögensverwaltung in Fulda wurden neue Kaufverträge abgeschlossen. Für die jüdischen Einwohner, die keine Ansprüche gestellt hatten, hat die IRSO (jüdische Nachfolgergesellschaft) die Ansprüche übernommen. Die IRSO hat dann die restlichen Ansprüche an die Hessische Treuhandverwaltung in Wiesbaden verkauft, welche dann an die heutigen Besitzer recht hohe Anforderungen stellte. Ich habe das bei einer Unterhaltung mit einem Zeitungsreporter zum Ausdruck gebracht, wodurch ich bei der Hessischen Treuhandverwaltung in Ungnade gefallen war. Der Vorsitzende der Treuhandverwaltung Ministerialrat Dr. Nahm wollte das an Ort und Stelle klären. In einer anberaumten Sitzung am hiesigen Bürgermeisteramt erschienen Dr. Nahm aus Wiesbaden, Herr Regierungsdirektor Dr. Raue (Kassel) und Landrat Beck (Hünfeld). Anhand der vorliegenden Akte habe ich die Herren von der Richtigkeit meiner gemachten Äußerungen überzeugt, so daß die Sache für mich erledigt war. Die jüdischen Einwohner, die durch den Verlust ihrer Existenz finanzielle Nachteile hatten, machten ihre Ansprüche bei der betreffenden Stelle beim Regierungspräsidenten in Kassel geltend. In besonderen Fällen wurde die Sache beim Landgericht in Kassel verhandelt. Das Finanzamt in Bad Hersfeld hat jede Einsichtnahme in die vorhandenen Akten der hiesigen jüdischen Einwohner unerklärlicherweise abgelehnt. Durch eine spätere Wiedergutmachung etwa1970 – 1974 erhielten die Käufer, die rechtlich gezahlt hatten, auf Antrag ihren Kaufpreis nebst 2% Zinsen vom Land Hessen erstattet. Das Grundstück der ehemaligen jüdischen Synagoge und Schule wurde von der IRSO an die Gemeinde Rhina verkauft.“

 

Am 21. Februar veranstaltet der MGV einen Theaterabend.

 

Jahresbericht des Männergesangvereins

 

 

Jahresbericht  ( Vereinsjahr 1949)

 

Mitgliederstand:

Am Jahresanfang aktiv: 40 / Zugang: 7 / Abgang: 2 / heutiger Stand: 45

Am Jahresanfang passiv: 5 / Zugang: 0 / Abgang: 0 / heutiger Stand: 5

Am Jahresanfang Ehrenmitglieder: 4 / Zugang: 0 / Abgang: 1 / heutiger Stand: 3

Bestand am Jahresanfang: 49 / Bestand heute: 53 

 

Das Sängerjahr 1949 ist vorüber. Es wurde fleißig geübt und gearbeitet und kleine Erfolge erzielt. Leider wurde die Zeit nicht so genutzt wie es hätte geschehen müssen. Verlorene Stunden sind für immer in den Schoß der Ewigkeit versunken. Das zur Namensweihe am 14. November 1948 gegebene Gelöbnis, noch mehr als früher der Heimat und ihrem schönen Lied zu dienen, wurde im Vereinsjahr 1949 nur zu einem geringen Teil erfüllt. Trotzdem konnte eine allgemein rührige Außenarbeit erzielt werden.  -  Schon im Januar war der Verein zu einem Werbeabend des MGV Rothenkirchen eingeladen  und konnte dortan durch eine Reihe schöner Lieder Dank und Beifall ernten.  -  Der am 21. Februar durchgeführte Theaterabend hatte durch das dramatische Stück „Beim Kreuz`l im Tannengrund“ einen großen Erfolg und brachte dem Verein auch eine finanziell wertvolle Hilfe.  -  Am 17. März  konnten wir unserem Sangesbruder Heinrich Will zur Silberhochzeit mit „Trittst im Morgenrot...“ und „Es löscht das Meer“ ein Ständchen bringen.  -  Der 20. März brachte uns durch den gelungenen Liederabend des MGV Holzheim-Kruspis schöne Stunden im deutschen Lied und gab uns Ansporn und neuen Willen zu intensiver Arbeit am Lied  (Saal Fürstenberg Neukirchen)). –  Am 27. März war dem Verein die Möglichkeit gegeben, das Theaterstück „Ein Kreuz`l im Tannengrund“ in Wetzlos aufzuführen und durch schöne Lieder zu umrahmen.  -  Im Mai konnten wir Sangesbruder Heinrich Hergert als Heimkehrer mit den Liedern „Heimkehr“, „Schifferlied“ und „Im schönsten Wiesengrunde“ wieder in seiner Heimat begrüßen.  -  Inzwischen waren die Vorarbeiten für das Sängertreffen in Wehrda gut fortgeschritten und am 28. Mai konnte der Verein unter Leitung des Chormeisters Hans Schneider, der inzwischen an Stelle des Chormeisters Schröder die musikalische Leitung aushilfsweise übernommen hatte, dortan einen guten Erfolg erzielen. Die beiden vorgetragenen Chöre „Wenn der Frühling...“ und „Die Sonn erwacht...“  fanden lebhaften Beifall.  -  Unser Ehrenvorsitzender Adam Manns, der fast 25 Jahre als 1. Vorsitzender den Verein vorbildlich lenkte und führte, konnte, obwohl sein ganzes Herz an seinem lieben Gesangverein hing, den Ehrentag von Wehrda nicht mehr miterleben. In diesen Tagen zeigten sich bei ihm Gesundheitsstörungen, die es ihm nicht mehr gestatteten,an den Übungs- stunden teilzunehmen. Sein Krankheitszustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag und am 1. Juni schloß er für immer seine Augen. Ein wahrhaft aufrichtiges und treues Sängerherz hatte aufgehört zu schlagen. Am 3. Juni geleitete ihn sein Verein zur letzten Ruhestätte. Am Hofe sang ihm seine treue Sängerschar „Stumm schläft der Sänger“.  Vorsitzender Ernst Maul widmete ihm am Grabe herzliche Worte des Abschieds. Er dankte ihm noch einmal für all seine Arbeit, die er dem Verein geleistet, er dankte ihm für seine  Liebe und vorbildliche Treue zum deutschen Lied. Und mit einem schönen Kranz grüßten noch einmal die Sangesbrüder ihren geliebten  und allzeit geachteten  Ehrenvorsitzenden. Sangesbruder Heinrich Lotz sprach als Abschiedsgruß das Gedicht „Treu dem Lied und treu dem Bunde“.  Ein Führer und Sänger ist von uns gegangen. Solange wir,die ihn kannten und  ehrten, leben werden wir ihn nicht vergessen und ein ehrendes Andenken bewahren  -   Am 10. Juli  ging es mit dem Wagen von Sangesbruder Kurt Kollmann bei schönstem Wetter  zum 2. Sängertreffen in Wippershain zu edlem Sängerwettstreit.  Mit dem Chor „Der Dorfplatz“ hatte sich der Verein eine schwere Aufgabe gestellt. Leider konnte ein voller Erfolg nicht erzielt werden. Als 2. Lied sang der Verein ? ?.  Nach einigen Stunden im Kreise froher Sänger ging es gegen Abend  heimwärts. -  Am 4. September brachte der Verein dem Heimkehrer Adam Webert ein Ständchen mit den Liedern „Horch, die alten Eichen...“, „Heimkehr“ und „Es löscht das Meer...“.  -  Zur Hochzeit von Sangesbruder Baumgardt sang der Verein in der Kirche zu Wehrda „Hör uns“ und „Vielliebchen liebt...“  Sangesbruder Baumgardt hat die Mitwirkung des Vereins dankbar anerkannt.  -  Walter Nölker, der am 10. Sept. aus französischer Gefangenschaft heimkehrte , konnte mit „Im schönsten Wiesengrunde“ und „Es löscht das Meer“ begrüßt werden.

Am 16. Sept. geleiteten wir die Gattin unseres Ehrenmitgliedes Valt. Lotz zur letzten Ruhe. Am Hofe sang der Verein „Wie sie so sanft ruhn“ und am Grabe „Über den Sternen“  -  Frau Elise Bube konnte am 20. Sept. ihren 90 Geburtstag feiern. Der Verein ehrte die Jubilarin mit den Chören „Heilig, heilig...“ und „Nur in des Herzens...“ .  -  Der 25. Oktober fand den Verein wieder als Gast des MGV Rothenkirchen. In dessen Chorliederabend und Werbeveranstaltung sangen wir „Nun leb wohl...“, „Am Waldrand“, „Heimkehr“ und „Heimatlos“.  -  Zum Erntedankfest und zur neu herge-richteten Kirche sang der Verein „Wohin soll ich mich wenden“  und  ? ?  .  -  Am 18. Oktober nahm unser Ehrenmtglied  Adam Mohr für immer von uns Abschied.  Am Hofe sang der Verein „Stumm schläft der Sänger“ und am Grabe „Wie sie so sanft ruhn“. Der Vorsitzende grüßte noch einmal den toten Sänger und legte einen Kranz als letzten Gruß am Grabe nieder.  -  Eine besondere Heimkehrerbegrüßung  gab es für die aus russischer Gefangenschaft entlassenen Flüchtlingsmädchen Eichinger. Sie wurden mit den Liedern „Heimkehr“ und „Schifferlied“ in ihrer neuen Flüchtlingsheimat begrüßt.  -  Wie alljährlich ehrte der Verein am Totensonntag seine gefallenen und verstorbenen Sangesbrüder und Toten der Gemeinde. Am Friedhof sang der Verein „Wie sie so sanft ruhn“ und „Über den Sternen“.  -  Die vorweihnachtliche Zeit wurde für die Vorbereitung zur Weihnachtsfeier genutzt. Am Heiligen Abend sang der Verein in der Kirche „Lasst uns singen...“ und „O Tannenbaum“.  Die Weihnachtsfeier am 1. Feiertag war eine schöne Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen die beiden Stücke „Weihnachtsfeier im Dachstübchen“ und „Im Forsthaus zu Schalhausen“, die gut und wirkungsvoll aufgeführt wurden und reichen und dankbaren Beifall fanden. Die Bescherung der Kinder und einiger „fleißiger“ Sänger, darunter auch der Gesamtvorstand , war sehr humorvoll und von dem lieben langjährigen alten Nikolaus (Emil Maul) wieder wie immer in vollendeter Form durchgeführt. Die Feier wurde zwischendurch von einigen Weihnachtsliedern umrahmt.  Eine reiche Verlosung gab einen schönen Abschluß.  -  Der Sylvesterball lag wieder wie im Vorjahr in den Händen des Vereins.

Das Sängerjahr 1949 ist vorüber. Das neue Jahr 1950 liegt vor uns. Unbekümmert von dem, was es uns bringen mag, scheiden wir Sänger mit dem Liede und dem schönen Vorsatz:

 

Hab ein Lied auf den Lippen,

verlier nie den Mut!

Hab Sonne im Herzen

und alles wird gut!

 

Mutig über die Schwelle in das neue Jahr...

 

Nachtrag:

 

Nach Differenzen mit Chormeister Schröder, die anfänglich dadurch entstanden waren, daß er trotz wiederholten Bitten und Ermahnungen seitens des Gesamtvorstands und der Sänger es an einer intensiven Einübung der Chöre mangeln ließ und wiederholt auch dazu überging die Noten, also die Kompositionen erfahrener Komponisten, zu ändern, kam es dazu, daß die Leistungen des Vereins stark zurückgingen.  Da der Bestand und die Aufwärtsentwicklung des Vereins jedoch für alle verantwortungsbewußten Träger des Vereins erste und höchste Aufgabe immer war und auch für die Zukunft sein mußte, kam es Anfang Mai zur Ausscheidung von Chormeister Schröder. Es war sehr bedauerlich, daß durch die vorher genannten Gründe diese Trennung kam. Die großen Verdienste, die sich Chormeister Schröder in seiner Glanzzeit um den Verein erworben hat, wurden über diese Geschehen hinaus für immer in der Geschichte des Vereins vollste Anerkennung finden und unvergessen bleiben.

Am 24. Mai übernahm aushilfsweise Chormeister Schneider (Holzheim) den Verein. Die Sänger hatten sich bald an sein temperamentvolles , scharfes Eingreifen und seine harten und zähen Forderungen gewöhnt, sodaß unter seiner Führung allmählich gute Arbeit zum Vorschein kam. Leider war Schneider durch andere Arbeiten allzusehr überlastet und mußte seine Tätigkeit in unserem Verein allzufrüh wieder aufgeben.

Durch seine Chortätigkeit in unserem Verein und die in dieser Zeit erfolgte   enge Zusammenarbeit zwischen Schneider und Lehrer Dippel, der als Sänger im 2. Bass tätig war, war letzterer Ende Oktober soweit eingearbeitet, daß er die Chormeistertätigkeit im Verein übernehmen konnte. Nach einigen Übungsstunden verspürten die Sänger bald die klare und zielbewußte Arbeit ihres Chormeisters und folgten ganz seinen Zielen  und Bestrebungen.

 

Rhina, den 21. Januar 1950
Der Schriftführer
Heinrich Lotz

 

bestätigt: Vorsitzender
Ernst Maul

Chronik Header 1950
blockHeaderEditIcon
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail
*