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Der Maler Jakob NussbaumJakob Nussbaum

„Der berühmteste Rhinaer Bürger ist der Maler Jakob Nussbaum.“ Zu dieser Feststellung gelangt der Historiker und Verfasser des Buches „Rhina – im Spiegel seiner christlich-jüdischen Vergangenheit“ Harald Neuber in seinem Beitrag über den Künstler.


Als Sohn des Branntweinherstellers und Mazzenbäckers Baruch Nussbaum und dessen Frau Sarah wurde er am  8 Januar 1873 in Rhina (Wetzloser Straße 34) geboren. Hier besuchte er von 1879 bis 1882 die Volksschule. Als sein Vater in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, verließ die Familie Rhina und zog nach Frankfurt am Main. Dort betrieb der Vater in der  Obermainstraße das Geschäft „Baruch Nussbaum Spirituosen & Salz“. Nach dem Erwerb der Mittleren Reife absolvierte Jakob zuerst eine kaufmännische Lehre im elterlichen Geschäft.


Schon während seiner Lehrzeit fiel der junge Jakob Nussbaum durch sein zeichnerisches Talent auf, nicht unbedingt zur Freude seines Lehrmeisters, von dem er gerne Karikaturen entwarf, die von seinem Vater wiederum als sehr gelungen gelobt wurden. Das Verständnis der Eltern für die künstlerischen Ambitionen ihres Sohnes Jakob war so groß, dass er 1893 seine Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in München beginnen konnte.

Dort kam Nussbaum in Kontakt mit dem ungarischen Künstler Simon Hollósy, der eine private Kunstschule in München führte. 1896 gründete Hollósy in Nagybánya, einem kleinen Dorf in Siebenbürgen, mit seinen Schülern eine Künstlerkolonie, deren Teilnehmer sich besonders der Freilichtmalerei zuwandten. Hollósys Einfluss war entscheidend für die künstlerische Entwicklung des Jakob Nussbaum, der in den folgenden Jahren häufig in Nagybánya weilte.


Am 20. Februar 1917 heiratete er Marie Grünebaum. Da seine Frau nicht gerade unvermögend war, brauchte er sich um materielle Dinge nicht zu sorgen und konnte sich ganz seinem künstlerischen Wirken widmen.

Der zentrale Ort seines Schaffens wurde nun Frankfurt am Main. Über drei Jahrzehnte hielt er Impressionen der Stadt in seinen Bildern fest und schuf so einzigartige Kunstwerke und Dokumente der Zeitgeschichte. Aber er beteiligte sich auch aktiv am kulturellen Leben von Frankfurt, und in den 20er Jahren gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten der Stadt.

 

Als Vorsitzender des Frankfurter Künstlerbundes unterstützte er nicht nur neue künstlerische Entwicklungen, er formulierte auch neue Ideen, um begabte Künstler besser fördern zu können. Ideen, die schon 1922 durch die Gründung der Frankfurter Künstlerhilfe verwirklicht werden konnten. 1926 wurde ihm zudem die Leitung eines Meisterateliers in der Städelschule übertragen.

Von großer Bedeutung wurde für Jakob Nussbaum die Begegnung mit Max Liebermann (1847-1935), mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. Die Nähe zu Liebermann führte ihn schon um 1900 in das Umfeld der deutschen Impressionisten.  

Jakob Nussbaum verfügte durchaus über eine große Breite an malerischen Ausdrucksmitteln, blieb aber im Wesentlichen in den Bahnen des Realismus und Impressionismus. Zeitgenössische Entwicklungen wie den Expressionismus, die Neue Sachlichkeit oder den Konstruktivismus unterstützte er zwar, verwendete sie aber selber in seinen Bildern - wenn überhaupt - nur am Rande.


Sein Malstil war geprägt durch die Freilicht-Malerei der Berliner Sezession, der er seit 1904 angehörte. Er war aber auch ein erfolgreicher Grafiker, und schuf etwa 1917 als Kriegsmaler eine Mappe von Lithografien von der Westfront.


Im Winter 1924/25 reiste er mit seiner Frau Marie für zwei Monate über Ägypten nach Palästina. Während dieser Reise entstanden zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, die er als Vorlagen für eine Serie von Kaltnadelradierungen verwendete, die er noch im selben Jahr in Frankfurt fertigte. Die Mappe mit dem Titel "Palästina - 10 Radierungen von Jakob Nussbaum" enthält vor allem Ansichten der Gegenden um Jerusalem und Tiberias am See Genezareth. Sie ist die erste zusammenhängende Serie von Kaltnadelradierungen, die Nussbaum geschaffen hat.

1933 wurde Jakob Nussbaum - wie Max Beckmann (1884-1950) und Willi Baumeister (1889-1955) - als Lehrer an der Städelschule entlassen. Noch im selben Jahr emigrierte er mit seiner Familie nach Palästina, wo er sich am See Genezareth niederließ. Er starb 1936 im Alter von 63 Jahren.


Durch die Verfolgung und erzwungene Emigration ist sein künstlerisches Schaffen erst vergleichsweise spät ,,wieder entdeckt" worden. Das malerische Werk von Jakob Nussbaum wurde 1973 im Stadel das erste Mai wieder in Deutschland in einer Einzelausstellung gezeigt, 2005 folgte eine Retrospektive in der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse. Sein Gesamtwerk ist aber mittlerweile vollständig aufgearbeitet. Frau Dr. Claudia Müller hat eine Dissertation mit Werkverzeichnis zu Nussbaum vorgelegt, die auch die Grundlage der 2002 (als Band 42 der Studien zur Frankfurter Geschichte) erschienenen ausführlichen Monografie bildet.


Es würde den Rahmen dieser Darstellung sprengen, wollte man auf all seine Schaffensphasen eingehen. So soll der kurze Abriss über Nussbaums Wirken genügen. Wer mehr über Nussbaums Leben und seine Werke erfahren möchte, dem sei Dr. Claudia Müllers Buch „Jakob Nussbaum (1873-1936). Ein Frankfurter Maler im Spannungsfeld der Stilrichtungen“ empfohlen.


Der Heimatverein Rhina e. V. hat mit finanzieller Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung, der Sparkassenstiftung Hessen-Thüringen, der Bürgerstiftung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, der Marktgemeinde Haunetal, der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg, der Firma Giebel, Eiterfeld und der Firma Bock, Hünfeld ein Selbstbildnis des Rhinaer Künstlers zu erworben. Das Gemälde wird nach der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses dort seinen festen Platz erhalten und dann der Öffentlichkeit zugänglich sein.